Ein Schrankzimmer mit Doppelstockbett nach Trennung als neuer Anfang
2023 begann für uns unser erstes Jahr zu dritt nach der Trennung und damit auch das Kapitel vom Schrankzimmer mit Doppelstockbett nach Trennung, das für mich mehr Bedeutung hatte, als ich damals ahnte. Zu diesem Zeitpunkt lebten die Kinder noch überwiegend in Köln und ich hatte bereits eine kleine Dienstwohnung in Kuchenheim. Ursprünglich war sie nie als richtiges Zuhause gedacht gewesen, sondern als praktische Lösung für lange Tage im Dienst. Manchmal blieb ich dort über Nacht, manchmal ein Wochenende. Mehr nicht.
Als klar war, dass ich die Kinder an den Wochenenden zu mir holen würde, stand ich in diesem kleinen Schrankzimmer und überlegte, wie ich daraus einen Ort machen konnte, an dem sie sich willkommen fühlen. Viel Platz gab es nicht. Ich entschied mich für ein Doppelstockbett. Neue Bettwäsche. Für jeden ein eigenes Stofftier, sorgfältig ausgesucht. Ich stellte mir vor, wie sie ankommen würden und hatte gleichzeitig dieses Gefühl im Bauch, ihnen nicht genug Raum bieten zu können.
Es war kein Kinderzimmer im klassischen Sinn. Es war ein umfunktionierter Raum in einer kleinen Wohnung, die nie als dauerhaftes Zuhause geplant gewesen war. Und trotzdem wollte ich, dass sie spüren, dass hier ihr Platz ist.
Als sie das erste Mal dort waren, war meine Sorge größer als ihre. Sie fanden das Doppelstockbett großartig. Das Stofftier wurde sofort mit ins Bett genommen. Gespielt wurde ohnehin meist im Wohnzimmer, weil dort einfach mehr Platz war. Und dann war da noch mein Beamer, über den wir abends gemeinsam einen Film geschaut haben. Für die beiden fühlte sich das eher nach Kinoabend als nach Provisorium an.

Zur Wohnung gehörte ein Gemeinschaftsgarten. Für mich war es einfach ein Stück Grünfläche. Für die Kinder war es Abenteuer, Freiheit und Bewegung. Sie liefen hinaus, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. In diesen Momenten wurde mir bewusst, wie unterschiedlich wir Situationen wahrnehmen. Wo ich Einschränkung sah, sahen sie Möglichkeit.
Auch die Nachbarschaft hat diese Zeit leichter gemacht. Gerlinde und Gerd wohnten nebenan. Aus einem freundlichen Grüßen im Treppenhaus wurden Gespräche, aus Gesprächen wurde Vertrauen. Was als Nachbarschaft begann, entwickelte sich zu einer echten Freundschaft. Gerade in einer Phase, in der vieles neu und unsicher war, tat es gut zu wissen, dass man nicht völlig allein ist.
Die ersten Wochenenden waren fast leicht. Vielleicht, weil alles neu war. Vielleicht, weil wir uns Mühe gaben, das Beste daraus zu machen. Für mich blieb dennoch dieses Gefühl von Vorläufigkeit. Mutter zu sein und die Kinder nur am Wochenende bei sich zu haben, fühlte sich unvollständig an.
Rückblickend war dieses Schrankzimmer mit Doppelstockbett nach Trennung mehr als nur ein provisorischer Schlafplatz. Er war der Anfang von etwas Neuem. Nicht perfekt. Nicht großzügig. Aber ehrlich und mit ganzem Herzen vorbereitet.
Warum ich diese Serie schreibe, erkläre ich im Einleitungsartikel zu unserem ersten Jahr zu dritt nach der Trennung.
Wer sich nach einer Trennung mit ähnlichen Fragen rund um Organisation, Unterstützung und Alltag konfrontiert sieht, findet hilfreiche Informationen sowohl beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) als auch auf den Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
BMFSFJ – Infos für Alleinerziehende
Bundesministerium für Familie